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RLZ 12.12.14: Organist schuf eine kosmische Dimension

Kultur Abschluss der Internationalen Orgelkonzerte

M Bad Ems. Propsteikantor Thorsten Maus aus Recklinghausen war Gast beim Abschlusskonzert der Internationalen Orgelkonzerte Bad Ems 2014 in der katholischen Pfarrkirche St. Martin in Bad Ems. Unter dem Titel „Advent“ spielte er ein vielseitiges, nicht selten aufregendes Programm von Barock bis zeitgenössischer Musik.

Eine prächtig registrierte Toccata von Alexandre Pierre Boëly eröffnete das adventliche Konzert: Ein kleinformatiges Stück aus dem frühen 19. Jahrhundert, eine barocke Nachlese, zum festlichen Auftakt wie geschaffen. Bei Bachs Choralbearbeitung „Nun komm, der Heiden Heiland“ BWV 650 erweckte Maus eindrucksvoll die verinnerlichte, geradezu mystische Dimension dieser Bach'schen Kostbarkeit. Und eine tänzerisch-lockere Artikulation von „Kommst du nun, Jesus“ machte die Bach-Bearbeitung lebendig, ließ sie förmlich sprudeln.

Maus’ Improvisation über den Choral „O Heiland, reiß die Himmel auf“ gehörte neben dem Messiaen-Finale zu den stärksten Momenten des Konzerts: Zarte, mystisch-verhangene Klänge aus sphärischer Höhe, die steigernd und mitreißend als Sturzflut von kosmischer Dimension klangwuchtig auf den Hörer hereinprasseln – dies dürfte als geradezu körperliche Erfahrung noch lange nachklingen.

Mit Mozart kam ein krasser Szenenwechsel: der 1. Satz der a-Moll-Klaviersonate KV 310 in Eigenbearbeitung. Der motorisch-drängende Grundzug des Kopfsatzes verlockte Maus zu aufgeräumt-schwingendem, humorigem Spiel mit dem Blick in eine helle, gestaltenreiche Szenerie. Ein warm timbrierter, satter Orgelklang prägte das musikalische Bild von César Francks „Cantabile“. Mit großer innerer Ruhe, ausschwingenden Melodielinien setzte Maus seine Sensibilität für Klangfarben ein zugunsten klarer Konturen.

Zurück ins Barock führte Psalm 24 von Anthoni van Noordt, der sich auf den adventlich gedeuteten Text von der Ankunft des Königs bezieht, und „Pastorale mélancholique“ von Maus selbst brachte den Hörer wieder in die Gegenwart.

Eines der ganz großen Werke zeitgenössischer Orgelmusik traf im Finale mit dem Instrument zusammen, das dieser Musik rundum gerecht wurde. Maus spielte Messiaens theologisch durchtränkte, kompositorisch und spieltechnisch komplizierte Meditation aus dem Jahr 1935 „Gott unter uns“ mit souveräner Ruhe und organistischer Brillanz. Das ekstatische Stück teilte sich unmittelbar sinnlich, ja klangberauschend mit – dank der intensiven, engagierten Interpretationskunst von Thorsten Maus, der die Klangmöglichkeiten der Sandtner-Orgel voll ausschöpfte. Wer sich vor allzu strapaziösen Klängen gefürchtet hatte, sah sich wohl erleichtert. Man dankte dem Künstler für sein Adventskonzert der besonderen Art aufs Herzlichste. Karl Haxel

Rh.-Lahn-Ztg. Bad Ems vom Freitag, 12. Dezember 2014, Seite 13