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RLZ 25.11.14: Tröstende Botschaft vom Tod als Erlösung

Konzert Johannes Brahms' „Ein deutsches Requiem“ begeisterte in der katholischen Pfarrkirche St. Martin

Bad Ems. „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms präsentierten unter der Leitung von Lutz Brenner der Bad Emser St.-Martins-Chor sowie das Heidelberger Kammerorchester zusammen mit den Solisten Nicole Tamburro (Sopran) und Fabian Hemmelmann (Bass) in der Pfarrkirche St. Martin. Das aus dem Jahr 1868 stammende Requiem, dem er als Text frei ausgewählte Bibelstellen unterlegte, war Brahms erster entscheidender Erfolg. Der Tod seiner geliebten Mutter im Jahr 1865 hatte ihn tief erschüttert.

Dieses Werk machte Brahms in ganz Deutschland berühmt. Die unter den Leitgedanken Trauer und Trost stehende Totenmesse bot Lutz Brenner mit sorgfältig abgestufter Dynamik sowie mit all ihren dramatischen Kanten und Schründen dar. Mit stimmig-ausdrucksvoller Balance von Trauer und Tod, mit zügigen Tempi und sehr energischer Durchzeichnung des strukturellen Gefüges traf er den romantisch-klassischen Atem des Werks. Der glänzend disponierte, mit Leuchtkraft, Homogenität und Elastizität sehr präsent ins Bild kommende Chor realisierte schlichtweg alle Nuancen der dicht gewebten Partitur. Zusammen mit dem trotz der Chorpracht stets deutlich und transparent bleibenden Orchesterpart gelangen Brenner erschütternde musikalische Ausbrüche. Aus jedem Takt spürte man sein auf Innenspannung und temperamentvolle Kontrastsetzung zielendes Engagement für Brahms' tröstende Botschaft vom Tod als Frieden und Erlösung.

Hervorragend der schlank, kraftvoll, doch ohne Pathos singende Fabian Hemmelmann. Hinreißend Nicole Tamburro, die warm tönend, ausgewogen und verinnerlicht mit leuchtend-schöner Höhe aufwartete. Mit „ Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden“ übernahm der Chor die führende Rolle als Stimme der Gemeinschaft. Berückende Schönheit und Gewalt des Todes – etwa in der Trauermarsch-Sarabande des zweiten Satzes mit den markant gespielten Pauken – säumen das Drama der menschlichen Existenz. Die instrumental unter exquisitem Holzbläser- und seidigem Streicherklang expressiv und intensiv ausgeleuchteten Auferstehungstexte gehörten auch chorisch zum Ausdrucksvollsten: Alles war gleichsam in ätherischen Wohllaut getaucht.

Noch einmal kommt es zur dramatischen Zuspitzung bei den Worten des Bass-Solisten: „Wir werden alle verwandelt werden; und dasselbige in einem Augenblick.“ Mit einem Schlag dröhnt es in Posaunen und Tuba, stürmisch fiedeln die Geigen, wie Donnerschläge kracht es in den Pauken, Holzbläser und Chor stimmen in tosender Einstimmigkeit an: „Denn es wird die Posaune schallen.“ Alle Kraft, Können und Herzblut investierten die Akteure in die musikalische Darstellung des Jüngsten Tages. Heftiger, anhaltender Applaus dankte ihnen für ihre grandiose Aufführung.

Rh.-Lahn-Ztg. Bad Ems vom Dienstag, 25. November 2014, Seite 12

 

Originalartikel: