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Die Sandtner-Orgel in der kath. Pfarrkirche "St. Martin" zu Bad Ems

Nach nunmehr 3jähriger Planungs- und Bauzeit kann heute die neue Orgel in der kath. Pfarrkirche "St. Martin" zu Bad Ems erstmals öffentlich erklingen.

An dieses Instrument werden mit Sicherheit - berechtigterweise - hohe Erwartungen gestellt, was in Anbetracht der damit verbundenen Kosten und Aufwendungen (Planung und Erstellung eines neuen orgelpodestes bzw. die statische Sanierung der Empore, etc.) durchaus verständlich ist. Dazu kommt, daß die Orgel in "St. Martin" die erste "Sandter-Orgel" im Bistum Limburg ist. Nicht zuletzt aus diesem Grunde haben wir uns in jeder Hinsicht bemüht, diese Erwartungen zu erfüllen, möglichst sogar zu übertreffen. Für das Vertrauen, das Sie uns mit der Beauftragung zum Orgelneubau entgegenbrachten, dürfen wir schon an dieser Stelle danken. Jede Orgel ist sozusagen ein Prototyp. Die einzige Versicherung, die zum Gelingen des Werkes gegeben werden kann, ist die Erfahrung des Orgelbauers und sind seine schon gebauten Instrumente, an denen grundsätzliche Bauweisen und Ideologien abgelesen werden können. Im konkreten Einzelfall sind jedoch immer völlig unterschiedliche bauliche Bedingungen und finanzielle Vorgaben, musikalische Bedürfnisse und optische Wünsche vorhanden, welche jede Orgel zum absoluten Einzelstück machen. Das Instrument wollen wir Ihnen nachstehend im einzelnen vorstellen.

Betrachtet man die Orgel von vorne, so kann man alle vier Teilwerke im Prospekt (Gesamtansicht der Orgel inklusive der sichtbaren Pfeifen) erkennen. Befinden sich in den beiden Außentürmen die Register des Pedalwerkes, so sind über dem eingebauten Spieltisch zentral die des Hauptwerkes untergebracht. Die oberen Prospektfelder und -türme gehören zum Schwellwerk. In die Brüstung eingebaut und im Rücken des Organisten befindet sich das Rückpositiv. Die mächtigen Prospektpfeifen des Registers Principal 16‘ mit einer Gesamtlage von ca. 5,50 m (Ton C) und einem Umfang von ca. 85 cm tragen viel zum imposanten Gesamteindruck des Orgelprospektes bei. Die Ausmaße des Hauptgehäuses betragen ca. 9,50 m in der Höhe, 6,60 m in der Breite und 3,30 m in der Tiefe. Die im Hauptgehäuse befindlichen Werke sind durch die Anordnung im Prospekt klanglich gleichmäßig präsent, das Rückpositiv ist demgegenüber durch seine vorgelagerte Stellung hinsichtlich der Präsenz erhöht, dieses Werk eignet sich besonders zur Darstellung von führenden Melodiestimmen. Die Anordnung kommt den musikalischen Erfordernissen sehr entgegen.

Haupt- und Pedalwerk stellen, von der musikalischen Seite her gesehen, das klangliche Rückgrat der Orgel dar. Das dritte Manual, ist in diesem besonderen Falle als romantisches Schwellwerk ausgestattet mit eher dunkler und fülliger Klangschattierung, tendenziell in Richtung französischer Romantik (Zungenchor, überblasene Flöten etc.). Das Rückpositiv stellt demgegenüber einen klanglichen Gegenpol dar und beinhaltet vornehmlich die helleren, sprich barocken Stimmen. So wurde bei der Disposition auf ein gesundes Neben- und Miteinander von barocken und romantischen Stimmen geachtet. Dies soll jedoch nicht bedeuten,daß die einzelnen Teilwerke ausschließlich für den einen oder anderen Bedarf zu verwenden sind.

Die Disposition (Zusammenstellung der Register) weist einige Besonderheiten auf, die einerseits auf den relativ großen Raum, andererseits auf die musikalischen Wünsche und Bedürfnisse zurück zu führen sind. So ist im Hauptwerk eine Flüte harmonique 8‘ disponiert. Dieses Register ist ab g‘ traversierend gebaut, das bedeutet, daß die Pfeifenkörper doppel so lang sind, wie es physikalisch normalerweise notwendig wäre. Dadurch erhält das Register eine ungewöhnlich starke Dynamik, dieses Register stammt aus der französischen romantischen Orgel und ist für die Darstellung dieser Musik unentbehrlich. Sein Pendant hat dieses Register im Schwellwerk als 4‘ -Register Flüte octaviante. Ebenso ist ein Zungenregister mit doppelter Becherlänge, die sogenannte Trompette harmonique 8‘ im Schwellwerk vorhanden. Vor allem dieses Register (jedoch auch die anderen Zungenregister Basson 16‘, Hautbois 8‘ und Clairon 4‘) verleiht dem dritten Manual durch seine Klangkraft und Klangaussage zu recht erst den Titel Schwellwerk. In beiden Werken sind Terzklänge vorhanden, im Hauptwerk eingebunden als Register Cornet 5f., ein Soloregister mit extrem dynamischer Klangwirkung, im Schwellwerk in ein mehrchöriges Register eingebunden (Cornet de Recit 3f.) und im Rückpositiv als einzelnes Register Terz 1 3/5‘. Der Terzklang gewährt sehr aparte Klangmischungen, Sesquialterklänge als auch Cornettklänge stehen somit als Soloregistrierung als auch als Verstärkung der Zungenregister zur Verfügung. Mit der Voix c~leste 8‘ fand auch ein "verstimmtes" Register Einzug in das Orgelkonzept. Gegenüber den anderen Registern ist die Voix coeleste ein wenig zu tief gestimmt, zusammen mit dem Salicional des gleichen Werkes gespielt, ergibt sich aber daraus ein klanglicher Effekt, der als sphärisch bezeichnet werden kann. Dies ist besonders für die Gestaltung meditativer Teile der Liturgie zweckmäßig.

Der technische und zeitliche Aufwand, der bei einer guten mechanischen Pfeifenorgel erforderlich ist läßt sich schon daran ablesen, daß für die neue Orgel ca. 10.000 Arbeits- und Planungsstunden erforderlich waren. In größtenteils althergebrachten Handwerkstechniken, wobei natürlich auch zeitgemäße Fertigungsmethoden Anwendung finden, werden fast alle Einzelteile in unseren Produktionsräumen selbst hergestellt. Jedes Detail wird eigens geplant, berechnet und angefertigt, vom Gehäuse über die Windladen bis hin zu den Pfeifen. Für unsere Orgel finden nahezu ausschließlich heimische Hölzer Verwendung. Sind diese auch oftmals teurer in Anschaffung und Verarbeitung, so ist ihre Eignung im Einzelnen gegenüber den verschiedensten Einflüssen und Einsatzbedingungen wesentlich höher zu beurteilen, als bei Hölzern anderer Kontinente. Nicht zuletzt hat uns auch die ökologische Verantwortung dazu bewogen, von der Verwendung überseeischer (und vor allem Tropen-) Hölzer Abstand zu nehmen.

Das Gehäuse ist aus bestem astreinen Tannenholz mit Rahmen und Füllungen gefertigt, die dazugehörenden Schleierbretter bestehen aus Lindenholz. Wie auch im Inneren sind sämtliche Teile aus massiven Hölzern gefertigt, sollte der technische Bedarf es verlangen, auch aus abgesperrten. Das Verwenden von massiven Hölzern (besonders Nadelhölzern) trägt entscheidend zum abgerundeten und weichen Klang unserer Orgel bei.

Die Windladen, das eigentliche Herzstück der Orgel, bestehen aus Kiefern- und Eichenholz, die Holzpfeifen aus Kiefern-, Fichten-, Eschen- und Birnbaumholz. Sämtliche Hölzer wurden, bevor sie in die Orgel eingebaut wurden, schon jahrelang an der Luft gelagert und getrocknet. Nur so kann gewährleistet werden, daß keine Spannungen im Holz mehr vorhanden sind, welche ein nachträgliches Reißen des Holzes bewirken würden.

Wie schon erwähnt, besteht das Pfeifenwerk aus Hölzern, welche je nach klanglicher Aussage des jeweiligen Registers ausgewählt werden, und aus einer Zinn-Blei-Legierung. Hierbei wird der Legierungsanteil von Register zu Register verschieden bestimmt, je nachdem, welchen klanglichen Grundcharakter das Register später haben soll. Von den insgesamt 2.954 Pfeifen sind 2.748 aus Zinn und 206 aus Holz gebaut. 2.566 sind als Labialstimmen (Bauweise ähnlich oder gleich der im Prospekt sichtbaren Pfeifen), 388 als Zugenstimmen konstruiert. Die größte Pfeife ist mit einer Gesamtlänge von ca. 5,50 m (Körperlänge ca. 4,80 m) das tiefe C des Principal 16‘, die kleinste das g" das Larigot 1 1/3 mit einer Körperlänge von ca. 11 mm. Damit jede einzelne Pfeife genau den Klang bekommt, der ihr von der Bauweise und der musikalischen Bedeutung her zusteht, ist ein feines Gespür, Einfühlungsvermögen und handwerkliches Geschick des Intonateurs erforderlich. Die Windversorgung wird durch ein Elektrogebläse mit einer Windleistung von 43 m3 pro Minute sichergestellt.

Das Instrument ist ganz in der Manier früherer Zeiten, rein mechanisch konzipiert. Sämtliche Befehle, die der Organist über Tasten oder Registerzüge an die Windladen gibt, werden mittels Gestänge, Wellen und Winkel weitergeleitet. Die Zuverlässigkeit und Präzision mechanischer Trakturen ist nach wie vor unübertroffen; der erhebliche Aufwand, der für eine präzise Mechanik getrieben wird, rechtfertigt sich durch die musikalischen Möglichkeiten, die dem Organisten dadurch zur Verfügung gestellt werden, die geringen Instandhaltungskosten und die praktisch nahezu unbegrenzte Lebensdauer. Die uns überkommenen Orgeln des Barockzeitalters sind dafür die besten Zeugen und Beweise.

Bei einer Orgel dieser Größe verlangt man naturgemäß nach Registerhilfen. Das schnelle Auf- und Abregistrieren ist sowohl im liturgischen Bereich als auch im konzertanten (bzw. Literaturpiel) erforderlich. Für diesen Fall ist eine elektronische Setzeranlage mit 64 Kombinationen vorgesehen. 64 Registerkombinationen können somit frei eingespeichert werden. Diese Registrierungen sind bei Bedarf vom Organisten mittels Schalter, welche in die Klaviaturenbacken eingelassen sind, abrufbar. Die weiterhin heute üblichen Setzerbetätigungsmodi wie Sequenzer und Auslöser sind selbstverständlich ebenso vorhanden, teilweise, der besseren Bedienerfreundlichkeit wegen, auch als Fußtritte.

Das Instrument ist ausnahmslos aus hochwertigsten Materialien in sorgfältiger handwerklicher Fertigung herstellt. Dies ist die Voraussetzung dafür, daß diese Orgel über lange Zeit zur Freude der Menschen und zum Lobe Gottes erklingen kann.

Orgelbau Sandtner

Website der Pfarrei

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Die Sandtner-Orgel in der kath. Pfarrkirche "St. Martin" zu Bad Ems

Nach nunmehr 3jähriger Planungs- und Bauzeit kann heute die neue Orgel in der kath. Pfarrkirche "St. Martin" zu Bad Ems erstmals öffentlich erklingen.

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Disposition Sandtner-Orgel Bad Ems

Die Disposition der Sandtner-Orgel Bad Ems gibt's hier zum Download: